Glossar

A

Array-CGH

Sehr genaue Untersuchung der Chromosomen. Die Auflösung ist wesentlich höher als unter einem Lichtmikroskop. Daher können auch kleinere chromosomonale Veränderungen erkannt werden, die im Lichtmikroskop nicht zu sehen sind. Array-CGH ist eine Standardmethode bei auffälligen Kindern (Fehlbildungen, Entwicklungsverzögerungen, geistige Behinderung, Autismus). In vielen Fällen mit unauffälligen genetischen Vorbefunden kann die Array-CGH die krankheitsverursachende Veränderung der Chromosomen finden. Pränatal ist die Array-CGH in Deutschland noch keine Standardmethode. Damit identifizierte genetische Auffälligkeiten können nicht immer sicher beurteilt werden. In speziellen Fällen ergänzt die Array-CGH die konventionelle Chromosomenanalyse.

Allel

Alternative Ausprägungsformen ein und desselben Gens. Jeder Mensch hat aufgrund des doppelten Chromosomensatzes für ein und dasselbe Gen zwei Allele.

B

Basen

Die genetische Information der DNA ist in Form der vier Basen Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin gespeichert. Die Abfolge der Basen bildet Gene, die anhand des genetischen Codes in Proteine übersetzt werden.

Basenpaare

In jedem DNA-Doppelstrang stehen sich zwei Basen gegenüber. Adenin paart sich mit Thymin, Cytosin mit Guanin. Das ermöglicht es, das genetische Material bei jeder Zellteilung identisch zu kopieren.

C

Chorionbiopsie

Auch Chorionzottenbiopsie genannt, dabei handelt es sich um eine Punktion des Mutterkuchens (Plazenta), dessen Zellen normalerweise genetisch denen des Kindes gleichen. Ein Vorteil gegenüber einer Fruchtwasseruntersuchung ist, dass sie früher durchgeführt werden kann, bereits ab der 12. Schwangerschaftswoche (11+ SSW). Die Punktion findet durch die Bauchdecke statt und ist technisch der Amniozentese vergleichbar. Die entnommenen Zellen enthalten Erbinformationen, die Aufschluss darüber geben können welche genetischen Veranlagungen und welches Geschlecht Ihr Baby hat. Der gesamte Test dauert ca. eine eine Minute. Die Kurzzeitkultur der Chorionzotten liefert nach 24-48 Stunden das erste Ergebnis, nach ca. 2-3 Wochen kann man das Ergebnis der Langzeituntersuchung erwarten.

Weitere Infos zur Chorionbiopsie erhalten Sie auch unter Infos für Patientinnen und Schwangere auf der Seite Plazentauntersuchung.

Chromosomen

sind fadenförmige Strukturen, die Gene und damit Erbinformationen enthalten. Sie bestehen aus DNA (Desoxyribonukleinsäure), die mit vielen Proteinen verpackt ist. Chromosomen kommen in den Zellkernen der Zellen vor. Menschen haben 46 Chromosomen, davon 2 Geschlechtschromosomen. Körperzellen enthalten jedes Chromosom in doppelter Ausführung, mit Ausnahme der XY-Geschlechtschromosomen bei männlichen Personen. Ein Chromosom stammt jeweils vom Vater, das andere von der Mutter. Beide passen hinsichtlich Form, Struktur und Abfolge zueinander, darum spricht man von gleichartigen Chromosomen. Chromosomen lassen sich in den Zellteilungsphasen mit Farbstoffen leicht anfärben und so im Lichtmikroskop sichtbar machen, der Name ist zusammengesetzt aus dem griechischen „chroma“ = Farbe und „soma“ = Körper.

Chromosomenaberration

Strukturelle oder zahlenmäßige Veränderungen der Chromosomen, die zu schwerwiegenden Krankheitsbildern führen kann.

Numerische Chromosomenaberration

Die normale Chromosomenzahl einer menschlichen Körperzelle beträgt 46. Eine Vervielfachung der Chromosomenzahl, z.B. 69, ist nicht mit dem menschlichen Leben vereinbar. Fehlt ein Chromosom (Monosomie) oder liegt ein Chromosom zu viel vor (Trisomie), liegt die Ursache meist in einem fehlerhaften Zellteilungsprozess bei der Reifung von Ei- oder Samenzelle. Das bekannteste Beispiel ist aufgrund ihrer Häufigkeit die Trisomie 21 (Down Syndrom).

Strukturelle Chromosomenaberration

auch Chromosomenmutation genannt, ist eine strukturelle Veränderung, also ein größerer Umbau von einzelnen Chromosomen. Der Umbau kann balanciert sein (kein Verlust oder Zugewinn von genetischem Material) oder unbalanciert (z.B. Verlust = Deletion oder Zugewinn = Insertion).

Chromosomentranslokation

Umbau von Chromosomen, bei dem meist Teile eines Chromosoms von ihrer ursprünglichen Position auf eine andere verlagert worden sind.

Bei einer balancierten Translokation ist das Erbgut umgebaut, ohne dass genetisches Material verloren oder zugewonnen wurde. Dies hat oft keine Auswirkung für die betroffene Person. Menschen mit einer balancierten Translokation haben jedoch ein erhöhtes Risiko für unbalancierte Zustände bei Nachkommen im Moment der Befruchtung. Das wiederum führt zu verringerter Fruchtbarkeit, Fehlgeburten oder Nachkommen mit Fehlbildungen.

Bei einer unbalancierten Translokation ist Erbgut verloren und/oder zugewonnen worden. Das kann schon in der befruchteten Eizelle Probleme verursachen, so dass keine Schwangerschaft eintritt. Es kann auch sein, dass sich ein Embryo zunächst entwickelt, dann aber als Fehlgeburt endet. Eher selten kommt es vor, dass ein Kind damit geboren wird; Fehlbildungen und Entwicklungsverzögerung sind dann zu erwarten.

D

Deletion

Eine Deletion ist in der Genetik eine Variante bei der ein sehr kleiner Teil (1 Basenpaar) bis hin zum gesamten Chromosom (mehrere Millionen Basenpaare) fehlt. Als Folge kann kein, zu wenig oder ein fehlerhaftes Protein entstehen.

DNA

DNA (englisch: deoxyribonucleic acid; deutsch: Desoxyribonukleinsäure [DNS]). Der Stoff, aus dem die Gene sind. DNA ist die Erbsubstanz aller Lebewesen und befindet sich im Zellkern. DNA ist aus zwei untereinander verdrillten komplementären Strängen aufgebaut (Doppelhelix), die wiederum aus den vier Basen bestehen.

Dominant

Genwirkung von Allelen an einem Genort. Manifestiert sich bereits im heterozygoten Zustand.

Doppelhelix

Die DNA liegt im Zellkern als Doppelhelix vor. Helix nennt man die schraubenförmige Anordnung eines Moleküls im Raum. Die Helixstruktur der DNA wurde 1953 von James Watson und Francis Crick entdeckt, wofür sie den Nobelpreis erhielten.

Dysmorphiezeichen

Dysmorphiezeichen sind Zeichen einer Abweichung von der Norm, die durch eine Entwicklungsstörung embryonal oder fetal oder auch nach der Geburt verursacht werden. Nicht ein einzelnes, sondern die Kombination bestimmter Dysmorphiezeichen zusammen mit anderen Befunden (geistige Entwicklung, Verhalten, Laborwerte, usw.) können auf ein bestimmtes Syndrom hinweisen.

E

Embryonal

den Embryo bzw. die Embryonalzeit betreffend.
Ein Embryo ist jede menschliche Eizelle vom Stadium ihrer Befruchtung an. Die Entwicklung vom Embryo bis zur Geburt dauert 38 Wochen. Im Mutterpass werden die zwei Wochen zwischen dem ersten Tag der letzten Regel und der Befruchtung der Eizelle dazugezählt, so dass die normale Schwangerschaftsdauer 40 Wochen nach der letzten Regel beträgt. Alle Angaben im Mutterpass und in der Schwangerenvorsorge beziehen sich auf die Schwangerschaftsdauer nach der letzten Regel.

Einige Entwicklungsschritte bei der Embryoentwicklung stellen dabei Meilensteine dar:

  • 8. Woche: Der Embryo hat alle seine lebenswichtigen Organe ausgebildet: Augen, Ohren, Nasenspitze und Mund sind zu erkennen.
  • 11. Woche man den Embryo jetzt Fötus. Ihm wachsen bereits Haare, Finger- und Fußnägel sind klar erkennbar. Ab jetzt wächst der Fötus sehr zügig.
  • 20. Woche: Die Kindsbewegungen sind zumeist spürbar.
  • 26. Woche: Das Baby turnt zunehmend herum und reagiert auf Töne, es kann am Daumen nuckeln.
  • 35. Woche: 95 Prozent aller Babys liegen jetzt kopfüber in Geburtsposition.
  • 40. Woche: durchschnittliche Schwangerschaftsdauer, die normale Schwangerschaftsdauer reicht allerdings von 3 Wochen vor bis 10 Tage nach dem errechneten Termin. Das durchschnittliche Kindsgewicht am Termin beträgt ca. 3600 Gramm.

F

Facharzt für Humangenetik

Die ganze Breite der humangenetischen Kernkompetenzen wird nur von Fachärzten für Humangenetik und Fachhumangenetikern vertreten.
Die Humangenetik (siehe auch unter dem Glossarpunkt Humangenetik) ist ein zur klinischen Medizin gehöriges Fachgebiet. Im Zentrum steht der direkte Patientenkontakt mit dem Facharzt für Humangenetik (Genetische Beratung). Hieraus werden Risikoaussagen entwickelt und/oder Gendiagnostik angeboten. Im Labor werden zyto- und/oder molekulargenetische Methoden angewandt, um möglichst präzise Aussagen machen zu können. Wenn dann gendiagnostische Ergebnisse vorliegen, werden diese in einer genetischen Beratung vom Facharzt für Humangenetik mit dem Patienten oder gesunden Ratsuchenden besprochen.

Fachhumangenetiker

Die ganze Breite der humangenetischen Kernkompetenzen wird nur von Fachärzten für Humangenetik und Fachhumangenetikern vertreten.
Fachhumangenetiker sind im Gegensatz zu den Fachärzten meist Biologen. Beide haben grundsätzlich die gleichen Kompetenzen. Aus gesetzlichen Gründen (z.B. Gendiagnostikgesetz) ist der direkte Patientenkontakt den Fachhumangenetikern nicht möglich. Fachhumangenetiker sind daher im wesentlichen mit den zyto- und/oder molekulargenetischen Methoden der humangenetischen Diagnostik befasst. (Mehr Infos zur Humangenetik finden Sie auch unter dem Glossarpunkt Humangenetik)

Fehlgeburt

Eine Fehlgeburt ist eine Schwangerschaft, die endet bevor der sich entwickelnde Embryo bzw. Fetus lebensfähig ist. Eine Fehlgeburt in der Frühschwangerschaft ist ein häufiges Ereignis. Die meisten Fehlgeburten passieren, wenn die betroffenen Frauen noch gar nicht wissen, dass sie schwanger sind. Eine Vielzahl von Faktoren können zu einer Fehlgeburt führen und es ist schwierig mit Sicherheit einen Grund für eine bestimmte Fehlgeburt herauszufinden. Eine Ursache können Fehler in der Erbanlage sein. In manchen Fällen sind aber auch Krankheiten der Mutter wie z.B. Blutzuckerkrankheit die Ursache. Nach 2 oder mehr Fehlgeburten sollte eine genetische Beratung zur Ursachenabklärung erwogen werden.

Fetal

den Fetus betreffend. Ein Fetus ist ein Embryo nach Ausbildung der inneren Organe während der Schwangerschaft. Mit der 9. SSW nach Empfängnis bzw. der 11. SSW nach der letzten Regel beginnt die Fetalperiode.

Fetalblutanalyse

Bei einer Fetalblutentnahme erfolgt (in der Regel ab der 21. Schwangerschaftswoche):

1. Nabelschnurpunktion in der Schwangerschaft: hier wird der Nabelschnur eine geringe Menge kindlichen Blutes entnommen. Sie erlaubt eine Bestimmung von Störungen der Erbanlagen. Sie wird aber auch zum Ausschluss einer kindlichen Blutarmut eingesetzt, die bei Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind oder bei Infektionen auftreten kann. Unter Ultraschallsicht wird über die mütterliche Bauchdecke eine dünne Nadel in die Fruchthöhle und dann in die Nabelschnur eingeführt. Von dort werden ca. 2 ml Blut entnommen.

2. Mikroblutanalyse am Feten während der Geburt. Untersuchung des fetalen Blutes während des Geburtsvorgangs zur Überwachung der Lebensfunktionen. Hier entnehmen Ärzte Blut aus dem von der Scheide aus am besten zugänglichen Körperteil des Kindes, meist aus der Kopfhaut. Es wird der Säuregehalt des Blutes bestimmt, der Aufschluss über einen möglichen Sauerstoffmangel gibt. Ein Sauerstoffmangel des Kindes kann durch Plazentastörungen, Nabelschnurkomplikationen, oder überlange Geburtsdauer entstehen und unerkannt bei dem Kind bleibende Schäden verursachen. Weitere Infos zur Fetalblutanalyse erhalten Sie auch unter Infos für Patientinnen und Schwangere auf der Seite fetale Blutuntersuchung.

Fruchtwasseruntersuchung

Die Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) ist die Punktion der Fruchtblase einer schwangeren Frau zur Untersuchung der im Fruchtwasser befindlichen kindlichen Zellen. An einer geeigneten Stelle wird unter Ultraschallkontrolle eine dünne Nadel in die Bauchdecke und weiter in die Fruchtblase eingeführt. Es werden etwa 20 ml Fruchtwasser entnommen. Die Fruchtwasserprobe wird anschließend im Labor untersucht. Dort werden die enthaltenen Zellen -abgestoßene Zellen der Haut, des Magen-Darm-Trakts und der Nieren des Kindes - vermehrt. Erste Ergebnisse der Fruchtwasseruntersuchung können bereits nach 24 bis 48 Stunden vorliegen (FISH-Test). Für eine umfassende Diagnostik muss aber die Langzeitkultivierung abgewartet werden. Die Fruchtwasserentnahme dauert in der Regel weniger als eine Minute. Nach dem Eingriff sollte sich die Patientin einen Tag lang konsequent schonen.
Bei uns wird die Aminozentese zumeist ab der 17. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Weitere Infos zur Fruchtwasseruntersuchung erhalten Sie auch unter Infos für Patientinnen und Schwangere auf der Seite Fruchtwasseruntersuchung.

G

Genetische Beratung

Eine humangenetische Beratung dient dazu genetisch bedingte Erkrankungen oder Risiken für Erkrankungen zu erkennen und zu verstehen. Sie wird von Fachärzten für Humangenetik durchgeführt, die eine spezielle Erfahrung mit erblichen Krankheiten haben. Bei einer humangenetische Beratung sollen Hintergründe geklärt werden, damit die Betroffenen in der Lage sind die für sie richtigen Entscheidungen zu treffen.

Eine humangenetische Beratung kann beispielsweise bei unerfülltem Kinderwunsch oder bei gehäuften Krebserkrankungen in der Familie hilfreich sein. Wenn bei einer Schwangerschaft beim heranreifenden Kind der Verdacht auf eine genetische Krankheit besteht, kann eine humangenetische Beratung dabei helfen, dass die Bedeutung der Befunde richtig verstanden wird und damit Entscheidungshilfen geben.

Genom

Die gesamte genetische Information eines Organismus. Höher entwickelte Genome sind organisatorisch auf mehrere Chromosomen und je zwei Geschlechtschromosomen verteilt. Sie bestehen aus einer Vielzahl von Basen („Buchstaben“) und Tausenden von Genen („Wörtern“). Das menschliche Genom ist auf 22 + 2 Chromosomen verteilt, besteht aus rund 3,2 Milliarden Basen und ca. 25 000 Genen. Zum Vergleich: Ein Fadenwurm hat 6 Chromosomen mit 97 Millionen Basen und rund 20 000 Genen. Die Bäckerhefe besitzt 16 Chromosomen mit 12 Millionen Basen und rund 6 300 Genen.

H

Heterozygotie

Anwesenheit zweier verschiedener Allele am gleichen Genort.

Homozygotie

Identität beider Allele am selben Genort.

Humangenetik

Die Humangenetik erfordert fundiertes genetisches Wissen, interdisziplinäre Zusammenarbeit und ein über das Individuum hinausgehendes, generationenübergreifendes Verständnis genetischer Zusammenhänge. Wie sich die Humangenetik heute definiert, stellen die folgenden Kernkompetenzen dar:

1. profundes Wissen über Struktur, Eigenschaften, Funktionen und Weitergabe des menschlichen Erbgutes,

2. die Indikationsstellung zur genetischen Analyse, deren Einleitung und eigenverantwortliche Durchführung sowie die abschließende Bewertung der Ergebnisse im Hinblick auf die klinische Fragestellung im individuellen und familiären Kontext,

3. die humangenetische Beratung von gesunden und erkrankten Ratsuchenden und deren Familien einschließlich der Berechnung und Bewertung von Erkrankungs- und Vererbungswahrscheinlichkeiten,

4. die Phänotypanalyse von Patienten mit körperlichen, neurologischen oder Verhaltensauffälligkeiten, insbesondere bei Vorliegen von Fehlbildungen und syndromalen Erkrankungen bzw. Verdacht darauf,

5. die Betreuung der Betroffenen und deren Familien gemeinsam mit anderen klinischen Fachgebieten,

6. die Weiterentwicklung der genetischen Diagnostik und der Therapie genetisch (mit)bedingter Erkrankungen,

7. die Ausbildung von Studierenden der Medizin, Naturwissenschaften und anderer Studiengänge im Fach Humangenetik, die Fort- und Weiterbildung von Ärzten und Naturwissenschaftlern sowie die Qualifikation von Ärzten anderer Fachrichtungen zur fachgebundenen genetischen Beratung gemäß Gendiagnostikgesetz,

8. die Information der Gesellschaft zu genetischen Fragen.

K

Komplexe Erkrankung

Die in der Bevölkerung häufigen Krankheiten, z.B. Bluthochdruck, Schlaganfall, Alzheimer, Krebs, Depression werden durch viele Risikofaktoren, genetische und nicht genetische, zusammen verursacht. Hier spielt Gendiagnostik heute noch kaum eine Rolle. Ob es jemals dazu kommen wird, ist eine offene Frage, die derzeit stark beforscht wird.

M

Molekulargenetik

Die Molekulargenetik untersucht die DNA von Patienten mit monogenen Krankheiten inclusive familiären Krebserkrankungen auf das Vorliegen von ursächlichen Genmutationen. Wenn in einer Familie eine Mutation bekannt ist, können sich gesunde Mitglieder untersuchen lassen, ob sie auch die Mutation tragen. Neben Familienmitgliedern können im Rahmen von Pränataldiagnostik auch Feten untersucht werden.

Monogene Erkrankung

Erkrankungen durch die Mutation eines einzelnen Gens. Solche Erkrankungen werden mit einem eindeutigen Muster vererbt (dominant oder rezessiv). Beispiele für monogene Krankheiten sind die Mukoviszidose, die Bluterkrankheit oder der erbliche Brust- und Eierstockkrebs. Praktisch alle klassischen Erbkrankheiten sind monogen.

Monosomie

Als Monosomie bezeichnet man eine Besonderheit, bei der ein Chromosom nur einmal (= monosom) statt wie üblicherweise zweimal (= disom) vorhanden ist. Diese Abweichung führt in den meisten Fällen zu einer Fehlgeburt, aber auch zum Turner-Syndrom; der Betroffenen fehlt ein X-Chromosom, die Auswirkungen sind teilweise behandelbar.

Mutation

(Auch: Gendefekt) Ist die Abfolge der Bausteine eines Gens so verändert, dass auch die Funktion des entsprechenden Genprodukts betroffen ist, spricht man von Mutation. Dies führt in der Regel dazu, dass eine Krankheit ausbricht.

P

Phänotyp

Das Erscheinungsbild eines Individuums, also z.B. welche Blutgruppe oder Haarfarbe ein Mensch hat. Der Phänotyp ist das Resultat der oft komplexen Wechselwirkungen zwischen Genotyp und Umwelteinfluss.

Polymorphismus

In der Bevölkerung häufig auftretende genetische Veränderungen, die im Allgemeinen keine Erkrankung hervorrufen.

Postnataldiagnostik

Postnatal heisst nach der Geburt und umfasst daher das gesamte Altersspektrum vom Neugeborenen bis zum Greis.

Präimplantationsdiagnostik (PID)

Künstlich befruchtete Embryonen werden im Reagenzglas getestet, ob sie an einer bestimmten Erbkrankheit leiden werden. Dazu wird dem frühen Embryo Material entnommen und an der daraus isolierten DNA ein Gentest durchgeführt. Nur Embryonen mit normalem Gen werden in die Gebärmutter der Frau verpflanzt.

Pränataldiagnostik

(pränatal = vor der Geburt) bezeichnet Untersuchungen des ungeborenen Kindes und der Schwangeren. Verbreitete Methoden sind zum einen die nicht-invasiven, nur außerhalb des Körperinneren vorgenommenen Untersuchungen. Das sind Ultraschalluntersuchungen, zu denen z.B. die Nackentransparenzmessung, der Feinultraschall und die Doppler-Sonographie gehören. Auch die Untersuchungen von Hormonkonzentrationen im mütterlichen Blut gehören zu den nicht-invasiven Methoden. Invasive, das heißt mit Überwindung der Haut, vorgenommene Untersuchungen der Pränataldiagnostik sind die Chorionzottenbiopsie, die Fruchtwasserentnahme und die Nabelschnurpunktion.

Punktmutation

Die Punktmutation ist eine Form der Genmutation, bei der ein Nukleotid der DNA hinzugefügt, ersetzt oder ausgetauscht ist (Nukleotid = Grundbaustein der DNA).

S

Syndromlehre

Es gibt eine Vielzahl von Fehlbildungen und Anomalien unterschiedlichen Ausmaßes. Bestimmte Syndrome zu erkennen, die durch verschiedene Symptome gekennzeichnet sind, ist für den Humangenetiker, den Gynäkologen in der pränatalen Diagnostik und für den Kinderarzt wichtig. Nur so kann Eltern eines betroffenen Kindes durch Benennung von Diagnose, Prognose und therapeutischen Möglichkeiten geholfen werden. Das Erkennen eines Syndroms steht oft am Beginn der weiteren Diagnostik, um Krankheiten zu erkennen und zu behandeln.

T

Trisomie

Von einer Trisomie spricht man, wenn ein Chromosom dreifach (trisom) statt zweifach (disom) in allen oder einigen Körperzellen vorliegt. Verdreifachungen von Erbmaterial entstehen, wenn die Zellteilung unüblich verläuft, indem statt eines Chromosoms zwei Chromosomen der gleichen Nummer in die Keimzelle gelangen. Die befruchtete Eizelle weist dann insgesamt drei Chromosomen auf: Je ein übliches von Mutter und Vater und ein zusätzliches von entweder Mutter oder Vater.

Jede gebärfähige Frau in jeder Altersstufe kann ein Kind mit einer Form der Trisomie bekommen. Die Wahrscheinlichkeit einer Trisomie beim Kind nimmt mit wachsendem Alter der biologischen Kindmutter (und möglicherweise auch des biologischen Kindvaters) zu. Trisomien sind nicht ursächlich heilbar und Menschen mit Chromosomenverdreifachungen haben in der Regel körperliche und kognitive Beeinträchtigungen unterschiedlichen Schweregrades.

Z

Zytogenetik

Bei der Zytogenetik handelt es sich um ein Teilgebiet der Genetik, das sich mit den Chromosomen beschäftigt. Zytogenetische Untersuchungen werden vor oder nach der Geburt durchgeführt, es werden die Chromosomen aus bestimmten Körperzellen (z.B. Fruchtwasser, Blut) unter dem Lichtmikroskop betrachtet. Untersuchungsziel ist der Nachweis oder der Ausschluss von zahlenmäßigen oder strukturellen Chromosomenaberrationen. Darüber hinaus kommt heute der molekularen Zytogenetik eine große Bedeutung zu, weil damit Veränderungen an den Chromosomen erfasst werden können, die mit konventioneller Zytogenetik nicht zu erkennen sind.